Bäume werden gestutzt, der Garten zurecht gemacht. Wenn dann - für kurze Zeit jedenfalls – alles ordentlich ist, fühlt man sich gleich besser. Es tut gut, auch der Seele, hin und wieder aufzuräumen
Die schönen, vor allem aber ruhigen Herbsttage bieten sich da besonders an. Man hat keine Angst etwas zu verpassen, der Fluss des Lebens scheint sich verlangsamt zu haben. So ergeht es mir auch, wenn ich eine kleine Herbstwanderung unternehme. Kein übereifriges Herumschwirren der arbeitssamen Bienen, keine Vögel, die hastig für den Nestbau sammeln. Gedankenversunken gehe ich meinen Weg.
Ja, der Herbst ist die Zeit des „in sich kehrens". Und ich spüre, dass es mir gut tut, aus der Aktivität in eine fast schon ein wenig meditative Stimmung zu rutschen. Vielleicht noch ein Tee und etwas Süßes dazu? Sich hinsetzen und zurück blicken, auf das was da ist, was sich das Jahr über angehäuft hat. Persönliche Erntezeit! Schön, wenn ich dann Dankbarkeit empfinden kann. Freilich, nicht jedes Jahr hält eine gute Ernte bereit. Es gibt Jahre, die sind zum vergessen, so möchte man meinen.
Als Christ weiß ich, Beides kann ich vor Gott bringen. Den Dank, der mir hilft, das Schöne in meinem Leben auch wirklich wahrzunehmen, zu würdigen. Und die Bitte, die mich entlastet von meinen Sorgen, Ängsten, Nöten. Beides hilft mir, dass meine Seele - griechisch Psyche – gesund bleibt oder zumindest wieder ein wenig mehr gesund wird.
Und ja, mit der Zeit habe ich sogar gelernt, dass die schweren Jahre ihre Früchte erst später, viel später entfalten. Manchmal ist mir das ein Trost.
Meint Ihr Peter Kolb,
Evangelischer Pfarrer im Dekanat Aschaffenburg

