Aber da gibt es auch die junge Nobelpreisträgerin Malala, die beherzt für das Recht kämpft, dass Kindern zur Schule gehen dürfen, obwohl sie selbst deswegen fast ihr Leben verloren hätte; da ist der afrikanische Junge, der sich dem Flüchtlingsstrom nach Europa anschließt, sein Leben riskiert um das Geld zu verdienen, das seiner kranken Mutter die notwendige Operation ermöglicht; da ist der alte Mann, der klaglos seit 20 Jahren seine kranke Frau pflegt: „Das ist unser Leben!"
Was für ein Mensch? Auch da bin ich sprachlos, staune über die Kraft, den Mut und den Willen, der Menschen zu diesen Taten bewegt und befähigt.
Solches Staunen vernehme ich auch in den Worten der Jünger, die erfahren wie Jesus mitten in der größten Gefahr - im Sturm auf dem See - zum Ort der Ruhe und Zuversicht wird. Gleich meinen sie unterzugehen, da beruhigen sich Sturm und hohe Wellen auf das Wort Jesu hin. „Was für ein Mensch, ihm gehorchen selbst der Sturm und das Meer!" Den Jüngern bleibt nur ungläubiges Staunen. Jesus reagiert auf die Panik im Boot nimmt seinen Jüngern die Angst durch sein Dasein und seine machtvollen Worte. Und er lenkt ihre Aufmerksamkeit auf das, was im Leben Zukunft und Rettung verspricht: das tiefe Vertrauen in die Gegenwart Gottes. Im Handeln Jesu wird Gottes Wille offenkundig: Ich will, dass du lebst!
Ein Boot, das unterzugehen scheint – so kommt mir unsere krisengeschüttelte kleine Erde manchmal vor. Und die Bilder von den Flüchtlingsbooten im Mittelmeer zeigen schmerzhaft wie aktuell die Seesturmgeschichte ist. Angst vor dem Untergang, die panischen Rufe aus dem Boot – lassen wir uns davon berühren? Vielleicht nicht ganz so unmittelbar, wie es Jesus tut: Sofort ist er da und rettet! Ohne zunächst Überlegungen nach Zuständigkeit und wirtschaftlichen Interessen anzustellen!
Ich will, dass du lebst! Für Jesus hat das Vorrang. Jedes Miteinander und Füreinander wird an Leben gewinnen, wenn es vorrangig darum geht.
Klaus Becker
Diözesanreferent für Katechese
Lohr am Main
