Schüler sprechen mich im Unterricht an, auf der Straße, beim Einkaufen, nach dem Gottesdienst tragen Erwachsene diese Frage an mich heran. Meistens runzeln sie die Stirn, sind entsetzt über das, was da geschehen ist.
Warum? Diese Frage kommt uns Menschen in den Sinn, wenn wir von Katastrophen überrollt werden: tragische Unfälle, Naturgewalten, Gewalt und Krieg zwischen Religionen und Menschen, der Tod eines geliebten Menschen. Unsere ganz persönlichen Hiobsbotschaften münden in dem Warum.
Warum? Als Jesus von Soldaten ans Kreuz genagelt wird, nimmt er auch diese Frage auch und solidarisiert sich dahingehend mit allen Menschen. Er fragt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ Warum verlässt unser Gott seinen eigenen Sohn, warum verlässt er uns Menschen? Warum lässt Gott seinen Sohn den Tod erleiden? Warum lässt er uns Menschen leiden? Könnte er denn nicht auch anders?
Warum? Gott schweigt als sein Sohn am Kreuz hängt und stirbt. Er schweigt oft genug in unserem Leben. Zumindest haben wir das Gefühl, dass er schweigt. Die Tage von Jesu Tod und Auferweckung, Karfreitag und Karsamstag, geben dieses Schweigen wieder. Die Glocken in unseren Kirchen schweigen, das Leben in der Öffentlichkeit kommt für diese beiden Tage zur Ruhe. Das Schweigen steht dafür, keine Antwort parat zu haben, sondern zu hören auf das, was kommt.
Warum? Gott gibt keine Antwort, wie auch ich keine Antwort habe. Gott hält das Schweigen seiner Kinder aus. Doch er weist zuerst der Maria von Magdala einen Weg in die Zukunft. Wohlgemerkt gibt er keine Antwort! Dieser Weg in die Zukunft, diese neue Perspektive feiern wir an Ostern, dem Tag der Auferweckung Jesu. Das Grab, in das Jesus hineingelegt worden war, ist leer. Der Stein vor dem Grab ist weggewälzt. Jesus ist nicht mehr tot, er lebt und regiert bei Gott seinem Vater. Halleluja.
Warum? Bei vielen hält das Warum in ihrem Leben länger an als drei Tage. Ein Lobruf auf Gott kommt eher selten über die Lippen. Manchmal dauert es ein Jahr bis wir uns mit Gott wieder anfreunden können. Gott selbst aber zweifelt nicht an uns, er zweifelt nicht an seinem Sohn, er wälzt den Stein vor dem Grab weg, auch vor unserem.
Pfarrer Alexander Röhm, Ev.-Luth. Kirchengemeinde Eschau
