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Unreine Geister

Liest man in diesen Tagen Stellungnahmen zum Aufkommen des islamistischen Fundamentalismus und des IS, so stößt man auf Schlagworte, die sich provozierend gegen unsere westliche Zivilisation richten. Angeklagt wird der „saft- und kraftlos gewordene Liberalismus“ des Westens, der die Gesundheit zur neuen Göttin (Nietzsche) erhoben hat und dem Hedonismus frönt, ein „passiver Nihilismus, der kein Risiko eingeht und nur Bequemlichkeit und Sicherheit sucht“, der in den Fängen einer existenziellen Leere „erschöpfte, depressive Individuen hervorbringt.“

Der islamistische Fundamentalismus hingegen sei von einem religiösen leidenschaftlichen Fundamentalismus bestimmt, der ein „aktiver Nihilismus" sei, der alles riskiere, sogar das eigene Leben (siehe ZEIT 3 und 5/15).
Bei solchen Worten muss man zunächst einmal schlucken. Er fallen einem zig Gegenargumente ein und doch bleibt ein Widerhaken: An solchen Angriffen könnte etwas dran sein. Im Grunde sind es zeitlose Dämonien, die klischeehaft an den Pranger gestellt werden.
Es ist aufschlussreich, in der Bibel nachzuschlagen, wie Jesu mit solchen Dämonien umgeht, wohl gemerkt „Dämon" nicht verstanden als Teufelchen, mit Pferdefuß und Dreizack beschwert, der seinen Schabernack mit den Menschen treibt, sondern als „Kraft", was „daimon" ursprünglich heißt, die den Menschen von sich selbst entfremdet.
In der Wüste konfrontiert Jesus den Versucher, der ihm Reichtum, magische Vergöttlichung und Weltherrschaft anbietet, mit einer Spiritualität, die aus der Widerstandskraft des Wortes Gottes kommt. Beim Besessenen in Kapharnaum genügt ein einziges befreiendes Wort angesichts sprachlos gebliebener Pharisäer, das die Seele des Kranken zu heilen vermag: „Schweig und fahre aus von ihm!" Bei dem Mann mit dem unreinen Geist von Gerasa stellt Jesu die alles entscheidende Frage zur seelischen Heilung dieses Menschen: „Wie ist dein Name?", d.h. Was ist dein Wesen? Was macht deine Identität aus? Der Kranke stammelt, dass er überhaupt kein eigenes Wesen habe, sondern dass „Legionen" seine Seele hin- und herzerren.
Die Fastenzeit bietet an, solche Texte der Dämonenaustreibung zu lesen. Sie ist einem Katalysator vergleichbar, der die Atmosphäre zwischen Gott und Mensch wieder reinigt, angesichts unreiner Kräfte im Menschen, die den Menschen zwar faszinieren, ihn aber von sich selbst entfremden.

Peter Spielmann
Pastoraler Mitarbeiter in der Pfarrei Sankt Peter und Paul in Obernau