Eine Art Turm wohl, deutlich gestaltet, mit Ausblick und Weitblick, je nach Blickwinkel. Erst entdecke ich weitere Felsen, Bäume, Büsche, Gräser. Dahinter aber den weiten Raum: die Landschaft, den Himmel, viele kleine Orte. Einen solchen Blick auf die Gegend hatte ich noch nicht. Das war neu.
Im September hatte ich diese Begegnung. Jetzt, zwischen Weihnachten und Neujahr kommt sie mir wieder in den Sinn. Hinter mir liegt ein langes Jahr mit vielen Eindrücken und Erinnerungen. Am deutlichsten sind wohl noch die Weihnachtserinnerungen der gerade erst zurückliegenden Feiertage: Gottesdienste, Besuche, Begegnungen, Weihnachtsgans, Plätzchen und auch Geschenke haben mich ganz unterschiedlich spüren lassen, was es heißt, dass Gott heruntergekommen ist – zu uns Menschen: Dass er herabgestiegen ist und mich auf meiner Suche nach dem Weg, in manchem Irrweg und über viele fröhliche Blöcke hinweg begleitet hat. Vielleicht sind die neuesten Erinnerungen auch negativ. Die kann ich getrost hinter mir lassen.
Und jetzt entdecke ich dieses Fenster nach dem Hin und Her des langen Wegs. Vor mir liegt neues Land. Die Mauer um das Fenster, der Boden, alles um mich her, hält mich gut und so kann ich es wagen, mich hinauszulehnen und ein Blick darauf zu riskieren, was vor mir liegt. Neuland, das ich noch nicht betrete, aber schon erahne.
Weihnachten liegt hinter mir. Das neue Jahr liegt vor mir. Ich stehe an der Schwelle und schaue. Mache mich auf den Weg nach vorne und lasse mich von der Jahreslosung aus dem Römerbrief für 2015 anregen: „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.“
Ich blicke dankbar hinter mich, lasse liegen, was mich beschwert und mache mich auf ins Neue Land. Ein Vorsatz ist dabei: Den anderen anzunehmen, bedingungslos. Ob es mir gelingt?
Ihre Pfarrerin Heike Behrendt, Alzenau und Schöllkrippen

