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Mögen Sie Macht?

Wie halten Sie es mit der Macht: Haben Sie gerne Macht? Oder sagen Sie spontan: Ich bin doch kein Machtmensch! Für viele Menschen hat das Wort Macht keinen guten Klang. Sie hören gleich den Machtmissbrauch mit. Das ist schade. Denn möchten Sie ohnmächtig sein?

Macht an sich ist nicht schlecht – genauso wie Geld an sich nicht schlecht ist. Es ist an sich auch nicht schlecht, wenn es jemandem um Geld geht, oder? Es ist besser, Geld und Macht zu haben, als beides nicht zu haben. So wie jemand Geld gut einsetzen kann, kann auch jemand Macht gut einsetzen. Bestimmt kennen Sie Macht-Worte – auch im guten Sinne: wenn z.B. in einem ewig eiernden Prozess endlich jemand nicht mehr länger zusieht, den Knoten durchhaut und die Verantwortung dafür übernimmt. Da übt er oder sie Macht aus – Gott sei Dank!
Macht braucht Gefährten: Realismus und Verantwortung. Es gibt Menschen, die überschätzen sich und sind größenwahnsinnig. Sie halten sich für allmächtig. Und es gibt Menschen, die sehen überall nur innere und äußere Stoppschilder. Sie halten sich für ohnmächtig. Beide machen es sich und anderen schwer. Denn sie sind nicht in Kontakt mit der Wirklichkeit. Wir erleben ein Leben lang beides: Gestaltungsspielräume und Grenzen. Oft ist es sogar so, dass unsere Gestaltungsmöglichkeiten wachsen, je mehr wir die Grenzen anerkennen, die da sind. Grenzenlose Räume kann niemand füllen!
Ruth Cohn (1912-2010) stammte aus einer Berliner jüdischen Familie, wurde Psychoanalytikerin, floh vor den Nazis erst in die Schweiz, dann in die USA. Sie reflektierte, wie Menschen sich selber und andere gut leiten können. Sie formulierte: „Ich bin nicht allmächtig. Ich bin nicht ohnmächtig. Ich bin teil-mächtig." Sie machte Mut, die eigene Teil-Mächtigkeit anzunehmen und gut mit ihr umzugehen: mit Lust und Verantwortung die Räume zu füllen, die uns gegeben sind. Sie wusste, dass Räume Grenzen haben – und ebenso, dass Grenzen sich verändern können. Ihr realitätsbejahender Satz von der Teil-Mächtigkeit ist mir sehr wichtig geworden.
Das Wort „Macht" hat übrigens mit dem Ver-mögen zu tun: nicht im finanziellen Sinne, sondern mit dem Vermögen im Sinne von Können. Wer Macht hat, kann! Also: Keine Angst vor der Macht. Sollte Ihnen jemand rückmelden, Sie wollen Macht – sagen Sie nicht zu schnell: Ich doch nicht...! Tun Sie das, was in Ihrer Macht steht – mit Realismus, Verantwortung und Lust am Gestalten!

Dr. Hildegard Gosebrink, Rektorin des Martinushauses