Hinweis

Ihre Browserversion wird leider nicht mehr unterstüzt. Dies kann dazu führen, dass Webseiten nicht mehr fehlerfrei dargestellt werden und stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Wir empfehlen Ihnen, Ihren Browser zu aktualisieren oder einen der folgenden Browser zu verwenden:

Mittsommer

Hoppla, plötzlich ist schon wieder Mittsommer! Und nicht nur bei einem schwedischen Möbelhaus steht in dieser Zeit alles Kopf. Selbst wenn die Tage am längsten sind, scheinen sie vollgestopft zu sein mit all den Dingen, die man nur im Sommer machen kann:

Eis und Freibad, Grillparties und Abschlussfeste, Freilichttheater und Open-Air-Kino... jeder möchte das schöne Wetter und die langen Abende auskosten!
Aber jetzt ist Juli. Seit letzter Woche werden die Tage wieder kürzer. Der Zenit des Jahres ist überschritten. Es geht – noch kaum spürbar, aber unaufhaltsam – auf den Herbst zu.
Stellt sich bei Ihnen da Wehmut ein, vielleicht sogar Traurigkeit? Oder gehören Sie eher zu den Menschen, die dann erst recht loslegen und alles mitnehmen, gerade weil die Zeit zwischen den Fingern zu zerrinnen scheint?
Das Johannisfeuer oder auch die anderen Mittsommer-Bräuche laden ein, auf der Höhe des Jahres innezuhalten. Vielleicht so, wie wir als Kinder beim Schaukeln am höchsten Punkt für einen Moment stehenzubleiben schienen. Das war oft der Moment, an dem ein Freudenschrei losgelassen wurde: Juchhu, ich bin ganz weit oben! Den höchsten Punkt, den darf und soll man wirklich bewusst auskosten, finde ich – und das gilt auch für den Sommer. Eis schmeckt einfach am besten, wenn es heiß ist!
Dass es danach auch wieder Herbst und Winter wird, gehört zur Balance des Jahres dazu. Alles hat seine Zeit – wer sich darauf einlassen kann, muss weder trübsinnig noch hektisch werden, wenn die Zeit eben nicht stehen bleibt, wenn es am schönsten zu sein scheint.
Ein Lied hat sich in den vergangenen Wochen wie ein Ohrwurm bei mir eingenistet: „Das Jahr steht auf der Höhe, die große Waage ruht. Gott, schenk' uns deine Nähe und mach' die Mitte gut!" Gott hat die Zeit in seinen Händen, die Jahreszeiten, die sich einander ablösen, und auch unsere Lebens-Zeiten. Wenn ich darauf vertraue, dann kann ich gut damit leben, dass es nun wieder früher dunkel wird am Abend. Dann sehe ich es gelassen, dass auch meine Lebenszeit nicht stehen bleibt und ich älter werde, unumkehrbar.
Statt an Mittsommer „Kopf zu stehen", wünsche ich uns, dass wir mit Gott zusammen „die Mitte gut machen". Und wenn wir auch die Zeit genauso wenig anhalten können wie die Schaukel, wenn sie am höchsten Punkt ist – machen wir's doch wie beim Schaukeln und gehen mit Schwung in die zweite Jahreshälfte!

Dr. Ursula Silber ist Bildungsreferentin im Tagungszentrum Schmerlenbach.