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Mehr Nähe und Offenheit durch Dialog in der Kirche

Für eine Kultur des Miteinanders und mehr Kommunikation innerhalb der katholischen Kirche haben sich die Mitglieder des Dekanatsrates Aschaffenburg-Ost in ihrer Frühjahrs-Vollversammlung ausgesprochen. Als prominente Gäste begrüßte das Laiengremium am vergangenen Dienstag im Pfarrzentrum Hösbach den Vorsitzenden des Diözesanrates Karl-Peter Büttner und die Leiterin der Projektstelle für den Dialogprozess im Bistum Würzburg Monika Albert. Generalvikar Dr. Karl Hillenbrand, der ebenfalls eingeladen war, ließ sich krankheitsbedingt entschuldigen.
Der vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Erzbischof Robert Zollitsch im letzten Jahr angestoßene Dialogprozess wird derzeit auf Dekanatsebene geführt. Ab Juli 2011 hatten die Katholiken in den Pfarrgemeinden, Verbänden und Initiativen die Möglichkeit, Sorgen und Anliegen, die ihnen in ihren Kirchengemeinden vor Ort auf den Nägeln brennen, zu formulieren und an die Bistumsleitung zu schicken. Im Zuge der Errichtung der Pfarreiengemeinschaften und des zunehmenden Priestermangels seien die Rückmeldungen entsprechend vielfältig, sagte Pastoralreferentin Monika Albert, die den Dialogprozess im Bistum Würzburg koordiniert.

Rückmeldungen aus den Pfarrgemeinden

Die Auswertung hat ihren Worten zufolge erst begonnen, doch zeichnen sich vier Trends ab: Ehrenamtliche in den Pfarreien wünschen sich klare Verantwortlichkeiten und mehr Rückenstärkung für ihr Engagement. Christen, die Kirche als Heimat empfinden und den Glauben als kostbares Gut für ihr Leben ansehen, fragen nach, wie die Glaubensweitergabe an die Jugend in der heutigen Zeit nachhaltig gestaltet werden kann. Die Notwendigkeit, Pfarreien zu größeren Gemeinschaften zusammen zu fassen wird mittlerweile von den meisten erkannt, doch fürchtet man um die Identität der eigenen Gemeinde vor Ort. In einer vorwiegend ländlich geprägten Diözese sei dies ein großes Thema, sagte Frau Albert. Wenn ein Pfarrer nicht mehr jeden Sonntag an jedem Ort eine Messe halten könne, so wünschen sich viele einen Wortgottesdienst am Wochenende, damit sich die Kirchengemeinde am Ort versammeln kann.

Die sog. „großen Themen“ wir Zölibat, Diakonat der Frau, Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen seien oft genannt und von der Kirche eine „Kultur der Barmherzigkeit“ angemahnt worden. Die Argumentation der Kirche, mit Brüchen im Leben der Menschen umzugehen, könne von vielen nicht mehr nachvollzogen werden.

Mit Mut die Kirche vor Ort kreativ gestalten

Diözesanratsvorsitzender Karl-Peter Büttner aus Würzburg riet davon ab, sich an den großen Themen „festzubeißen“ und zu viele Energien damit zu verbrauchen. Wichtig sei es nun, zunächst darauf zu schauen, was auf Ebene der Diözese weiterverfolgt werden kann: „Wir brauchen keine Angst zu haben, gehen wir offen mit Fragen um, lassen wir uns nicht entmutigen und probieren wir Neues aus – nur so geht es vorwärts!“ rief er den Delegierten zu. Er sei im Herbst 2011 skeptisch zum ersten Treffen mit den Bischöfen nach Mannheim gefahren und begeistert wiedergekommen. Er habe eine große Offenheit gespürt, etwas verändern zu wollen, auch wenn sich die Bischofskonferenz nicht bei allen Themen einig sei. „Dialog bedeutet auch nicht, immer einer Meinung zu sein. Im Gegenteil: Wir dürfen unterschiedliche Meinungen stehen lassen.“, so Büttner.

Um Frustrationen so gering wie möglich zu halten, sei es wichtig, dass Christen mutig in ihren Gemeinden schauten, wo etwas zu machen sei, ohne jedes Mal groß zu fragen, ob es erlaubt sei oder nicht. Dabei sollten Priester, haupt- und ehrenamtlich tätige Laien stets um ein gutes Miteinander bestrebt sein. Dem pflichtete Dekan Sauer bei: „Vor Ort ist so vieles möglich, nutzen wir die Möglichkeiten!“, sagte er. Er wünschte sich aber auch von den Bischöfen mehr Mut, neue Schritte zu wagen, denn in den Diözesen seine durchaus Spielräume vorhanden, die ausgeschöpft werden könnten.

Schlimm ist nach Ansicht von Karl-Peter Büttner der schleichende Auszug aus der Kirche. „Leute, die jeglichen Protest aufgegeben haben und der Kirche den Rücken kehren, machen mir Sorge“, sagte er. Besser sei es, im Gespräch zu bleiben und leidenschaftlich zu diskutieren. Der Dialogprozess könne mehr menschliche Nähe und Leben in die katholische Kirche bringen und zu deren Öffnung beitragen.

Dialog „Wege suchen im Gespräch“ schon vor 20 Jahren

Dekanatsratsvorsitzender Martin Fleckenstein verwies auf die Initiative des damaligen Bischofs Paul-Werner Scheele „Wege suchen im Gespräch“. Vor 20 Jahren seien praktisch die gleichen Themen diskutiert worden. Vieles sei damals bereits möglich gewesen, was wieder zurückgenommen wurde, z.B. die Laienpredigt oder der Einsatz von Pfarrbeauftragten. „Befinden wir uns in einer Endlosschleife? fragte er. Auch wenn es Rückschläge gibt, sollten die Christen wie auch im Sport immer wieder neue Anläufe wagen, meinte Herr Büttner. Wichtig ist es seiner Meinung nach, dass Priester und Laien gleichermaßen ermutigt würden, sich am Dialog zu beteiligen. Einhellig bedauerten die Delegierten, dass kein einziger Ortspfarrer zu dem Abend gekommen war, obwohl alle aus unserem Dekanat zu dem Treffen eingeladen worden waren.

Probleme in den Pfarreiengemeinschaften formuliert

Im zweiten Teil des Abends wurden die im Dekanatsrat zuvor gesammelten Fragen vorgetragen. Stellvertretend für den Generalvikar und in Abstimmung mit ihm bemühten sich Frau Albert und Herr Büttner um Antworten. Thematisiert wurden die mangelnde zeitliche und personelle Ausstattung der Pfarrbüros als „Drehscheibe“ zwischen Gläubigen und dem Seelsorgeteam, die zunehmende Belastung der Pfarrer mit Verwaltungsaufgaben und Möglichkeiten für die effektive Gestaltung von Gemeindekatechesen. Mit Sorge richtete sich der Blick auf die Pfarreiengemeinschaften: „Deren Gründung ist Plan A, doch gibt es seitens der Diözese noch keinen Plan B.“, sagte Dekan Sauer. Auch wenn der Priestermangel fortschreite, so könnten die Pfarreiengemeinschaften keinesfalls durch noch mehr Zusammenlegungen weiter vergrößert werden. Laut seinen Ausführungen fehlen in der Diözese nicht nur Priester, sondern auch ausgebildete hauptamtliche Kräfte. Die Zahl der Diakone sei ebenfalls rückläufig.

Nach Ansicht von Karl-Peter Büttner wird man künftig andere Wege der Gemeindeleitung anstreben müssen oder geistliche Zentren errichten, die in die Umgebung ausstrahlen. Kirche flächendeckend auf dem Land zu erhalten, sei zunehmend schwierig. Von großem Anspruchsdenken, wie es bei den Mitchristen noch weit verbreitet sei, gelte es Abschied zu nehmen. „Eine Wallfahrt, eine Andacht oder eine Seniorenkaffeerunde ist nicht nur dann gut, wenn der Pfarrer dabei ist.“, brachte es der Dekan auf den Punkt. Ob es bei uns in Zukunft Verhältnisse wie im neuen Partnerbistum Óbidos in Südamerika geben wird, wo in einem Gebiet mit der Größe der Bundesrepublik nur 21 Priester ihren Dienst tun, wagte niemand in der Gesprächsrunde zu prognostizieren.

In der regen Diskussion der Delegierten aus unserem Dekanat mit den Gästen zeigte sich, dass ihnen ihre Kirche wichtig ist, dass sie sie lieben – aber auch bereit sind, mit und an ihr zu leiden. Am 17. November 2012 wird es einen sog. Dialogtag im Aschaffenburger Martinushaus geben, in dem sich Vertreter der Bistumsleitung für weitere Gespräche mit den Menschen in den Dekanaten am Untermain Zeit nehmen. Monika Albert formulierte es treffend: „Die religiösen Sehnsüchte der Menschen sind da. Für uns als Kirche gilt es, Antworten im Sinne des Evangeliums auf ihre Fragen zu finden, uns neu zu positionieren.“ So könne Kirche wieder an Bedeutung gewinnen. „Wir wollen vorangehen, mutige Beispiele setzen und unseren Blickwinkel weiten. In unseren Pfarreiengemeinschaften sollten wir eine Kultur des Miteinanders, des ehrlichen Hinhörens praktizieren und stets bereit sein, voneinander zu lernen.“

 

Susanne Mahlmeister, Schriftführerin im Dekanatsrat Aschaffenburg-Ost

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