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Kreuzwort am 09. Oktober 2021

Leere oder eine Fülle von Ideen

In den Sommermonaten blätterte ich in der „Kunstzeitung“, die im Kunstlanding von Aschaffenburg auflag. Dabei fiel mein Blick auf das Protokoll eines Malers mit dem Untertitel „Ein Tag im Künstleratelier“. Er drückt darin seine „Verzweiflung“ (so wörtlich) aus, schöpferisch wie gelähmt zu sein. Ich las: „Die jungfräulich weiße Stirnwand vor Augen, fordernd, drängend, keimt einmal mehr innere Unruhe, die Frage, was tun -und wie. War der legendäre Horror vacui, den jeder Künstler kennt, (der Schauder vor der Leere also), bislang auf die ausgespannte, grundierte, aber noch unbemalte Leinwand bezogen, scheint er sich heute auszudehnen.“ Die fünfspaltige Klage endet mit dem Satz: „Erst mal ein Bier!“ Wie diesem Künstler antworten?

Vielleicht mit einem Selbstportrait von Rembrandt, der im Frankfurter Städel gerade eine besondere Ehre erfährt. Es zeigt Rembrandt im Brustbild, sitzend vor einem geöffneten Fenster zu seiner Rechten. Durch das Fenster dringt hell gestreutes Licht. Es berührt sein rechtes Auge und die Wachstafel für die Radierung. Die Tafel ruht auf einem geschlossenen Buch, darunter ein viereckiger Tisch. Von der Kleidung fällt der Hut des Malers auf.

Das Licht und das Auge, die Tafel, das geschlossene Buch, der Tisch, wie auch der Hut beginnen beim Betrachten in ihrer Symbolik zu sprechen: - vom Licht, das mehr ist als das Licht des Verstandes. Für die Maler der Zeit war das Licht das vornehmste Symbol für Gott, das Malerauge war noch von der vielschichtigen „Schule des Sehens“ gebildet, die Wachstafel symbolisiert den Boden für die künstlerische Idee, das geschlossene Buch ist Ausdruck für die traditionellen Inspirationsquellen – Natur, Wissenschaft, Religion, Moral und Geschichte, der Tisch die solide Grundlage, auf der ein Schöpfungswerk, das den Namen verdient, aufruht, der Hut schließlich ist Bild für die Souveränität des Meistermalers.

Von der Oberkante des Fensters hängt breitflächig ein schmales transparentes Band mit der Signatur des Malers als wolle er sage: Dieses Licht durchdringt mein Malen.

Solche Inspirationsquellen sind für den Schreiber in der „Kunstzeitung“ wohl verloren gegangen. Er ist Kind unserer Zeit. Zeitanalysen sprechen von „geistiger und spiritueller Obdachlosigkeit“ in Europa, vom „Zusammenbruch eines zentralen Mythos“, vom „Fehlen einer großen Erzählung“, von „Gott, der sich zurückgezogen hat.“ Welche Tragik und Herausforderung für die Zukunft, diese Quellen wieder zu finden! Ob der Griff zum Bier die Lösung für seine Suche ist?

Peter Spielmann,

pastoraler Mitarbeiter in Obernau

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