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Lebenslust

Ich lebe gerne. Ich kann mich richtig freuen und ausgelassen sein. Das ist für mich mittlerweile keineswegs selbstverständlich und ich sehe es als Geschenk. Gerade im Frühling ist das für mich körperlich zu spüren: die Lust am Leben. Wie sich viel Neues anbahnt und regelrecht aufbricht. Es ist eine wunderbare Kraft, die immer wieder neues schafft.

Nicht umsonst wurde Ostern in diese Zeit gelegt. Die Erfahrung des österlichen Hoffens dockt an der menschlichen Grunderfahrung und Sehnsucht an. Wir Menschen wollen uns am Leben erfreuen und das Leben genießen. Dass diese Sehnsucht wie alles Menschliche zwei Seiten hat und in Missbrauch enden kann, braucht hier nicht vertieft zu werden. Das „genug kann nie genügen" ist eine mögliche Absturzstelle für diese Sehnsucht nach Leben. Immer mehr haben wollen und die Angst etwas zu versäumen, kann ein Ausdruck dessen sein.
Es kann mich aber auch zu einer anderen Seite menschlicher Erfahrung führen. Wenn „genug nie genügen kann" scheint es doch in uns eine Antriebskraft zu geben, die über uns hinaus führt. Diese Kraft zeigt uns, dass es im Leben um mehr gehen muss. Um dieses „Mehr" zu entdecken, kann ich im Außen alles Mögliche entdecken wollen, oder auch meinem Leben auf den Grund gehen. Dieses „Mehr" hat mich schon immer fasziniert. Es war und ist in Verbindung mit meiner Lebenslust auch meine Grund – Sehnsucht.
Mit dieser Grund-Sehnsucht entdecke ich – mit zunehmendem Alter – Lebenslust auch in Bereichen, die ich früher so intensiv noch nicht wahrnehmen konnte. Da sind Grund - Erfahrungen der menschlichen Begrenztheit, der Krankheit, der Enttäuschung und wie die „kleinen Tode" alle heißen. Und sie können Grund genug sein, einem die Lust am Leben zu nehmen. Es geht nicht unendlich weiter, so wie man sich das gedacht hat. Aber, und das ist für mich als einer der versucht, als Christ zu leben entscheidend: Nach dem Karfreitag, wo du die Grenze des Lebens handfest spürst, gibt es ein weiter: anders und nicht aus deiner Hand.
Es geht bei Gott nicht um das perfekte Leben. Das wird mir in der Karwoche, wenn ich mir diesen Jesus betrachte immer wieder neu klar. Gott zeigt in seiner Menschwerdung auch das imperfekte Leben und darin drückt er mit Ostern seine Lebenslust und Lebenskraft aus. Ich kann auch als imperfekter Mensch die Lebenslust Gottes immer wieder neu entdecken. Sie drückt sich in mir und allem auch imperfekten Leben als Grund-Sehnsucht aus.


Dr. Peter Müller
Stellv. Fachakademiedirektor