Und doch sei die Frage erlaubt: Was lockt uns in diesem neuen Jahr? Worauf lassen wir uns 2015 neu ein oder haben es sogar schon getan? Welches Wagnis steht uns bevor?
Ich meine das nicht nur im Hinblick auf die ganz großen Dinge. Die Fragen sind auch spannend, wenn es um scheinbar Alltägliches geht: ein schon längst fälliges Gespräch führen, eine Versöhnung wagen, die ich vor mit herschiebe, einer wichtigen Frage nicht länger ausweichen oder den inneren Schweinehund überlisten und tun, was zu tun ist. Angenehmes und weniger Erfreuliches stehen an – jedes Jahr aufs Neue. Was jeweils daraus wird, hängt selten allein von unseren Absichten und Möglichkeiten ab. Dass wir das Ergebnis unseres Tuns oft nicht abschätzen und voraussehen können, macht uns unsicher und vorsichtig. „Was ist wenn...?“ Solches Zögern kann dem guten Willen schnell den Garaus machen.
Wenn wir andererseits den Lockrufen des Lebens trauen, die uns einladen, auch weniger ausgetretene Wege einzuschlagen, können wir entdecken, wie farbig das Leben ist und voller Überraschungen. „Das hätte ich nicht gedacht!“, „Es geht ja doch!“, „Das hätte ich mal früher angehen sollen!“ Ein anderes Fahrwasser oder ein Blickwechsel tun dem Leben gut!
Auch Jesus lädt dazu ein. Seine Freunde, die ihn kennenlernen möchten, lockt er in ein neues Leben: „Kommt und seht!“ Dieser Ruf verändert ihr Leben. Ohne Versprechungen oder Bedingungen, ohne ausgebreitete Pläne oder zugeteilte Rollen dürfen sie immer wieder neu entdecken, wie reich ihr Leben wird, wenn sie dem Ruf Jesu trauen und sich von ihm in die Lebensfülle locken lassen und entdecken: Gott geht die verschlungenen Wege des Lebens mitgeht.
„Komm und sieh!“ Der Lockruf Jesu gilt auch uns. Er trifft uns hoffentlich auf der Suche nach einem Leben, das wir trotz aller Widrigkeiten, die unsere Wege kreuzen, letztlich als gelungen und einzigartig erfahren dürfen. Ein Lockruf in das Wagnis des Glaubens an die Treue und Nähe Gottes.
Klaus Becker, Diözesanreferent für Katechese,
Lohr am Main

