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Kinder unserer Zeit

Ungefähr 80 Prozent eines Konflikts haben gar nichts mit der aktuellen Situation zu tun, habe ich in einem psychologischen Buch gelesen. Sie beruhen vielmehr auf alten Erfahrungen, die in der jeweiligen Situation lediglich wieder abgerufen, aktiviert, ausgelöst werden. Das kann zum Beispiel alte Trauer, Angst oder Wut sein. Unsere Umgangssprache hat dafür sogar zahlreiche Bilder.

Der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Oder wenn ich den Satz höre, „der kocht vor Wut". Bildlich stelle ich mir dann einen Topf vor, der fast voll ist. Da braucht es nicht viel – an Energie oder zusätzlichem Wasser - und es „brodelt" schon über.
Manchmal ist es ja auch so, dass man einen Menschen sprichwörtlich auf Knopfdruck zum „kochen" bringen oder eine immer wieder nach demselben Muster ablaufende Re-Aktion auslösen kann. Da wird besonders deutlich, dass dieser Mechanismus eigentlich gar nicht viel mit dem konkreten Anlass zu tun hat, sondern aufgrund alter Erfahrungen wie programmiert, abgespeichert abläuft.
Und wie sollte es anders sein, natürlich liegen die Ursachen hierfür nur allzu oft in der Kindheit. Da wurde einer immer gehänselt, geärgert, gemobbt. Schäumte innerlich vor Wut, konnte sich aber nicht wehren. Vielleicht weil er zu klein war oder Außenseiter, dem niemand beistand. Oder fremd in einem neuen Kindergarten oder einer neuen Schulklasse. Oder die Eltern hatten keine Liebe übrig, vielleicht weil sie selbst durch ähnliche Erlebnisse geprägt waren. Oder ...
Mein nächster Gedanke ist dann: Welche Kindheit haben wohl die Schlächter des Islamischen Staates verbracht. Jene, die wir in Videobotschaften morden und sich damit brüsken sehen. Viele von ihnen sind selbst auf den blutigsten Schauplätzen der Weltgeschichte aufgewachsen. In Tschetschenien, Somalia, Afghanistan, usw. Länder die seit Jahrzehnten, teils sogar seit Jahrhunderten von einem Konflikt in den nächsten taumeln. Wo es seit Generationen keine Kindheit gibt, sondern alles eine Frage des Überlebens ist. Liebe? Fehlanzeige! Zuwendung? Fehlanzeige!
Immer mehr beginne ich zu verstehen, warum Jesus die Kinder so sehr in den Mittelpunkt stellt. Sie in Schutz nimmt, ihnen eine besondere Würde zuspricht, sie segnet und „herzt", wie Luther übersetzt. Sie sind nicht nur die Zukunft, an ihrem Heranwachsen entscheidet sich, wie eine Gesellschaft in der nächsten Generation, 20 Jahre später funktioniert oder eben nicht.
Millionen Kinder in den Flüchtlingslagern ohne Schulbildung aufwachsen zu lassen, wie es derzeit in Jordanien und im Libanon der Fall ist, ohne ausreichend Nahrung und gänzlich ohne Perspektive produziert da eigentlich schon zwangsläufig die nächste Generation für welche Terrororganisation dann auch immer. Kann und will sich das die Weltgemeinschaft leisten?

Fragt sich ihr Peter Kolb,
Pfarrer für Erwachsenenbildung, Dekanat Aschaffenburg