Die beiden haben sich für ein Boot entschieden und das ist eine mutige Entscheidung. Wenn ich mir so manche Beziehungen anschaue, habe ich den Eindruck, dass diese Paare nicht mehr in einem Boot sitzen; die tuckern eher nebeneinander her. Sich für ein Boot entscheiden heißt auch, sich für ein spannendes Leben zu entscheiden. Ich weiß: Manche mögen keine Spannungen und vermeiden sie. Aber ist das eine sinnvolle Lebensweise? Ist Spannung im Leben nicht das, was uns antreibt und weiter bringt? Ein Leben ohne Spannung ist wie ein Meer ohne Wind.
Wann spürt man die gute Spannung des Lebens? Dann wenn wir merken: es gibt einen Unterschied zwischen Sollen und Sein. Also zwischen dem, was wir für Sinn-voll halten und dem, was tatsächlich ist. Sich von dieser Spannung ziehen zu lassen macht ein spannendes Leben aus. Wo wir uns so vom Sinn ziehen lassen bleiben wir miteinander in Bewegung auf dem Meer des Lebens.
Bei diesem Miteinander ist es gut, nicht permanent nur sich im Blick zu haben. „Liebe besteht nicht darin, dass wir einander in die Augen sehen, sondern dass wir gemeinsam in die selbe Richtung schauen.“ (Saint Exupéry)
Dieser gemeinsame Blick öffnet dann auch den Horizont, wenn es stürmisch wird. Man ist gemeinsam unterwegs und kann sich in einem Boot besser Halt geben. Im Evangelium wird deutlich, dass Jesus in diesem Boot ist. Er fragt die Jünger: warum habt ihr so wenig Vertrauen? Bei allen Stürmen / Spannungen bin ich mit euch unterwegs. Darauf hat sich dieser Gott festgelegt.
Ja es gibt stürmische Zeiten. Kein gemeinsames Leben bleibt davon verschont. Und auch da habe ich in dieser Hochzeit etwas gelernt. Ein Festredner sagte: „wenn ich euch etwas mitgeben darf: schaut euch immer wieder um! Ihr seid nicht allein! Was für ein Geschenk des Lebens - so viele Menschen, um sich zu haben. Ladet sie immer wieder ein. Feiert das Miteinander, feiert das Leben. Ich habe die Erfahrung gemacht: ein offenes Haus-Boot mag anstrengend sein. Aber es ist ein großer Schatz. Die Liebe wird mehr, wenn man sie verschenkt.“ Und an uns, die Gäste, gewandt sagte er: „Wenn Ihr den beiden helfen wollt, diese abenteuerliche Reise –das Ge(h)schenk Liebe - zu bestehen, so gebt ihnen eure guten Wünsche mit. In deren Boot ist viel Platz dafür!“ Und so lud er alle Gäste dazu ein, Sterne für die Orientierung, Anker für das Festmachen, Mast und Segel für den richtigen Wind und Ruder, wenn es darauf an kommt, sich in die Riemen zu werfen, zu beschriften und dem Paar diese mit auf die Reise zu geben.
Haben Sie eine Idee, wem Sie mal wieder einen solchen Segen mitgeben wollen für die Reise im Boot des Lebens?
Dr. Peter Müller
Theologe und Pädagoge

