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Kreuzwort vom 22. August 2020

Hinaus ins Weite

Sommer. Gott führt mich hinaus ins Weite, er reißt mich heraus, denn er hat Lust zu mir! So sagt jemand in der Bibel und ich stelle mir vor: Die Sonne scheint, mitten im August, und Gott führt mich hinaus ins Weite. Ich breche auf. Einfach so. Völlig ungeplant. Jetzt. Sofort. Einen kleinen Rucksack habe ich dabei, eine Flasche Wasser, den schrumpeligen Apfel, ein wenig Geld und die Sandalen an meinen Füßen. Ich gehe einfach los.

Die To-Do-Listen lasse ich zu Hause und auch die dreckigen Fenster, die eigentlich dringend geputzt werden müssten. Die Arbeit stapelt sich auf meinem Schreibtisch, aber ich gehe einfach los. Durch die Straßen, bis zum Ortsausgang. An den Stoppelfeldern vorbei, Maispflanzen wiegen sich im leichten Wind. Eine blaue Kornblume steht stolz am Feldrand. Ich denke an die vielen Märchen, die ich als Kind mit Staunen gehört habe. Wo die Helden in die Welt zogen um das Glück zu suchen oder die Liebe. Sie zogen los um Abenteuer zu erleben, um das Fürchten zu lernen oder etwas Besseres als den Tod. Das Leben spielt draußen, dachten sie wohl, und ich ahne: Auf einem Weg ist mehr zu entdecken als auf dem Sofa. Über mir zieht ein Pfeil wilder Gänse. Ich finde ein Schneckenhaus. Ein Urlauber grüßt mich vom nahe gelegenen Campingplatz her. Ich gehe ein wenig schneller. Ich fühle mich ein bisschen wie ein Ausreißer. Entwischt. Keiner weiß, wo ich gerade bin. Das Handy liegt zu Hause. Ich bin frei. Die Gedanken sind frei. Ich summe das Lied vor mich hin. Dies ist mein Tag, denke ich und gehe und gehe, einfach so. Ohne irgendeinen Zweck. Ich habe keinen Hund an der Leine, ich will auch nicht abnehmen oder etwas für meine Gesundheit tun. Ich gehe einfach so. Ich bin neugierig, wohin mich meine Füße tragen. An einer Wegbiegung sehe ich die kleine Plakette an einem Baum: Europäischer Fernwanderweg. Wer wohl noch so alles unterwegs ist? In fernen Ländern auf diesem Weg? Ich könnte einfach weiterlaufen über die Grenzen hinweg. Die Welt ist weiter, als ich sehen kann. 

Als es langsam dunkel wird, steige ich in den Zug und fahre nach Hause. Das Abendessen wartet und morgen putze ich die Fenster. 
Aber heute – da habe ich ein Stück Welt entdeckt! 

Ich lege das Schneckenhaus auf den Tisch und öffne das Fenster: Die Vögel ziehen am Abendhimmel fernwärts. 

Pfarrerin Judith Haar-Geißlinger, Kleinheubach

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