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Kreuzwort am 07. August 2021

Gott* mit Sternchen denken?

Vor einigen Jahren, als der Asterisk, also das Gendersternchen noch ganz neu war, habe ich mich sehr darüber amüsiert. Ich rede jetzt nur noch mit Asterix habe ich meiner Kollegin freudestrahlend verkündet. Denn das spart mir die anstrengende Doppelung, liebe Leserinnen und Leser. Jetzt sind alle einfach Lesix, Pfarrix, Kollegix, Teilnehmix. Auch meine Kollegin war erheitert. Wir probierten gemeinsam schöne Pluralformen aus. Der Tag begann mit guter Laune. Die Asterix-Idee war noch bevor der Gender-Gap bei mir angekommen ist, der ja eine ernsthafte Alternative zu meinem damaligen Geblödel darstellt. Ich versuche mich jetzt manchmal auch daran, am kleinen Innehalten, an Pause und Neuansatz mitten im Wort. Aber ich eiere noch und bin nicht sicher wie ich das finde.

Beim Zuhören finde ich es immer noch erstaunlich überraschend, liebe Leser_innen. Und so bin ich neulich auch über Gott* oder G*tt gestolpert und war erstaunlich überrascht. Das Gendern macht vor gar nichts halt! Und warum denn auch? Der Brustton der Überzeugung, in dem von Gott so oft geredet wird, der ist doch im Grunde sehr fragwürdig und dazu noch einfallslos. Warum soll denn Gott vor allem Er und Herr und Vater sein? Wahrscheinlich sind wir uns einig: Gott übersteigt menschliche Vorstellungen, also auch das grammatische und biologische Geschlecht. Aber im Reden und Denken machen wir es uns doch oft ziemlich bequem, so als wüssten wir genau, was, wer oder wie G*tt ist oder was Gott* will. Daher bin ich immer ganz beglückt, wenn G-tt mal erstaunlich und überraschend daherkommt. Das hängt zwar nicht am Gendersternchen, aber schaden tut es auch nicht. So eine kleine Irritation und Unsicherheit im Denken und Reden ist vielleicht sogar ganz gut, ein Innehalten, eine Pause mit Neuansatz, damit „Gott“ nicht zum Klischee wird. Und wenn G‘tt tatsächlich unsere Vorstellungskraft übersteigt, dann können wir uns ja auch geistig und sprachlich strecken, die Vorstellungskraft trainieren sozusagen, nicht nur um vielleicht Gott näher zu kommen. Im Hinblick auf unser ganzes Leben ist es gut, wenn wir über Klischees hinausdenken können, alles mit Sternchen denken sozusagen. Vieles könnte anders sein, als wir es bisher kennen und uns vorstellen. Das ist erstaunlich, überraschend und befreiend.

Margit Binz, Pfarrerin für Ökumene,

Evangelisches Dekanat Vorderer Odenwald,

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