Vielleicht haben Sie schon eine Idee, wie Sie dieses Geschenk nutzen wollen. Das Nächstliegende - einfach länger schlafen. Herrlich! Ausgeruht(er) in den Tag starten tut besonders den Pflegekräften, Polizisten, Gastronomen und all den anderen gut, die am Sonntag arbeiten müssen. Diejenigen, die am Sonntag frei haben, können entweder die gewonnene Stunde einfach ignorieren, sie dankbar hinnehmen oder sich für diese 60 Minuten etwas Besonderes vornehmen. Etwas, wofür sonst immer zu wenig Zeit ist. Vielleicht ein Spaziergang durchs Herbstlaub, ein Telefonat mit jemandem, der sich darüber freut, eine zusätzliche Sporteinheit, eine Spielstunde mit den Kindern oder ein ganz bewusstes Einfach-Mal-Nichts-Tun. So viele Möglichkeiten!
Die geschenkte Stunde im Herbst erinnert uns in besonderer Weise daran, dass unsere Lebenszeit ein Geschenk Gottes ist. Wir dürfen über sie verfügen. Letztlich aber haben wir sie nicht in der Hand. Wie lange sie währt, wissen wir - Gott sei Dank! - nicht. Wir ahnen aber, dass es im Sinne unseres Schöpfers ist, wenn wir unsere Zeit auskosten und sie nutzen. Wenn wir sie genießen und füllen mit dem, was wir sinnvoll und schön finden. Wir dürfen machen, was uns und anderen guttut, was dem Leben dient. Um uns das klarzumachen, hat Gott den siebten Tag als Ruhetag bestimmt. Damit wir nach sechs Tagen Arbeit einen ganzen Tag pro Woche Zeit haben zum Ausruhen, zum Feiern und zum Frei-Sein.
Nun liegt es an uns, einen solchen freien Feier-Tag mit seinen Chancen zu nutzen und zu verteidigen als etwas Unantastbares, als etwas, was uns heilig ist. Das ist oft gar nicht so einfach. Man muss klug planen und auch selbst konsequent bleiben, um sich einen freien Tag in der Woche offen zu halten. Das wissen vor allem die Menschen, die sonntags arbeiten müssen und denen es nicht vergönnt ist, gemeinsam mit den meisten anderen frei zu haben. Und so machen uns die zusätzlichen 60 Minuten am morgigen Sonntag wieder einmal bewusst: Jede Stunde unseres Lebens ist ein kostbares Geschenk Gottes an uns. Nehmen wir uns die Freiheit und genießen wir sie!
Heike Kellermann-Rupp, evangelische Pfarrerin im Schuldienst

