Hinweis

Ihre Browserversion wird leider nicht mehr unterstüzt. Dies kann dazu führen, dass Webseiten nicht mehr fehlerfrei dargestellt werden und stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Wir empfehlen Ihnen, Ihren Browser zu aktualisieren oder einen der folgenden Browser zu verwenden:

Gegen Unterdrückung und Willkür

Am Mittwoch ist der 17. Juni. Für die allermeisten ein ganz normaler Tag, es sei denn, man hat am 17. Juni Geburtstag oder Hochzeitstag. Wer sich allerdings für die deutsche Geschichte interessiert, wird dieses Datum kennen.

Am 17. Juni 1953 stand das Volk in der damaligen DDR auf gegen Unterdrückung und Willkür. In vielen Städten Ostdeutschlands gingen die Menschen auf die Straße und sie taten dies mit einer solchen Energie und Leidenschaft, dass sich die Staatsmacht ängstlich verkroch und schon bald nicht mehr Herr der Lage war. Erst sowjetische Panzer stellten die gewohnte Friedhofsruhe wieder her. Für mich gehört der Volksaufstand des 17. Juni 1953 nach wie vor zu den zugleich mutigsten wie höchst beeindruckenden Momenten deutscher Geschichte und ich bedauere es, dass nicht er, sondern der 3. Oktober zum Nationalfeiertag erklärt wurde.
Die Zeiten von Diktatur und Willkür sind Gott sei Dank vorbei und wir können dankbar sein, schon seit Jahrzehnten in einer funktionierenden Demokratie zu leben. Die hat es freilich momentan schwer. Kürzlich stand zu lesen, dass das untere Drittel der Gesellschaft an Politik generell kein Interesse mehr habe und weder an Wahlen noch an Volksentscheiden teilnehme. Demokratische Teilhabe aber ist für eine lebendige Demokratie wie das Salz in der Suppe. Und es sollte uns alle nachdenklich und betroffen machen, wenn dauerhaft so viele Menschen glauben, „die da oben" würden ohnehin machen, was sie wollen.
Dabei ist es ganz und gar nicht egal, ob man an Wahlen teilnimmt oder nicht. Selbst wer auf den so umstrittenen G7-Gipfel am vergangenen Wochenende blickt, wird feststellen müssen, dass die dort verhandelten Themen uns alle unmittelbar betreffen: Ob Klimawandel oder Flüchtlingspolitik, ob Krieg in der Ostukraine oder internationale Finanzmärkte: Wir sind Teil des Problems, wir sind mitbetroffen, wir sind mitverantwortlich.
Gerade als bekennender Christ kann ich mich aus den öffentlichen Dingen nicht raushalten. Wenn ich das Gebot der Nächstenliebe ernst nehme, kann es mir nicht egal sein, ob ein Kohlekraftwerk meinen Strom produziert oder ein Windrad. Ob ein äthiopischer Bootsflüchtling im Übergangswohnheim in der Würzburger Straße landet oder im Mittelmeer ertrinkt. Ob mein angelegtes Geld in der Rüstungsindustrie Profit abwirft oder bei einer Genossenschaft für Kleinbauern in Mittelamerika. Die Zeiten des Gottesgnadentums sind vorbei, „die da oben" sind wir alle.

Rudi Rupp, Dekan