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Kreuzwort am 19. November 2021

Das weiche Kissen des Glaubens

Seit einiger Zeit besuche ich einen Yin-Yoga-Kurs. Diese sanfte Form des Yoga konzentriert sich auf wenige Übungen, die möglichst lange gehalten werden sollen. Dazu gibt es viele Hilfsmittel, die man verwenden kann, um den Körper in der ungewohnten Lage abzustützen: Kissen, Yogablöcke, Rollen, etc. In meiner ersten Stunde fand ich das befremdlich. Ich hatte den Ehrgeiz, alle Übungen auch ohne solche Hilfestellungen zu meistern.

So lag ich mit geschlossenen Augen und -zugegeben-reichlich verkrampft auf der Matte. Plötzlich spürte ich, wie mir jemand ganz behutsam ein Kissen unterschob. Weich und sanft wurde ich gestützt und gehalten. Was für eine Erleichterung! Ich öffnete kurz die Augen und konnte sehen, wie die Yogalehrerin ganz leise von Teilnehmerin zu Teilnehmerin ging und Kissen verteilte.

Ihre Erklärung dazu half mir sehr, Einiges besser zu verstehen:Wenn der Körper spürt, dass er gehalten wird, versteht er das als Signal, loszulassen. Nur dann kann die Muskulatur entkrampfen.

Ich denke, das gilt auch für seelische Prozesse. Viele Menschen plagen sich mit dem populären Gedanken des „Loslassens“. Dabei geht es oft um Verstorbene, um Kinder in der Pubertät, um verpasste Chancen, um übertriebene Sorgen. „Ich weiß, ich muss loslassen, aber ich kann es nicht“. Diesen Satz höre ich oft bei Gesprächen. Ich antworte dann meist: „Wer ohne Halt loslässt, der stürzt ab!“ Das Loslassen alleine ist meiner Meinung nach keine Option, wenn man nicht gehalten und geschützt ist. Erst, wenn die Seele irgendwo verankert ist, kann sie locker lassen. Sie kann es „gut sein lassen“ In dieser düsteren Zeit des November innerhalb einer wiederaufflammenden Pandemie brauchen wir mehr als nur eine Ideologie des Loslassens, wir brauchen Halt. Christus, der Heiland ist für mich eine Figur, die mir das stützende Kissen behutsam unterschieben will. Habe ich so viel Vertrauen, um dies auch zuzulassen? Das Angebot ist jedenfalls immer da. Es kostet vielleicht etwas Überwindung und vor allem die Bereitschaft, ab und zu still zu werden und alle Reize auszublenden. Letztlich aber ist es Gnade, das wohltuende „Kissen des Glaubens“ spüren zu dürfen. Eine Gnade, die uns aufrecht stehen lässt in den Herbststürmen dieser Zeit, Eine Gnade, die uns Gelassenheit schenkt, während wir dem Treiben der Blätter im Wind zusehen. Am Ende ist es ein bisschen wie mit dem Yoga: Man muss es einfach mal ausprobieren. Und Übung hilft.

Eva Meder-Thünemann

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