Hinweis

Ihre Browserversion wird leider nicht mehr unterstüzt. Dies kann dazu führen, dass Webseiten nicht mehr fehlerfrei dargestellt werden und stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Wir empfehlen Ihnen, Ihren Browser zu aktualisieren oder einen der folgenden Browser zu verwenden:

Ärgern nicht verpflichtend

Letzthin im Supermarkt. Es ist viel los. Während ich einer voll beladenen Kundin ausweiche, stoße ich gegen einen Einkaufswagen. Er steht einfach so herum, mitten im Weg. Zu wem er gehört, ist nicht auszumachen.

Allerdings beobachte ich, wie sich kurz danach ein Herr fürchterlich über den herrenlosen Wagen aufregt. Als er meinen Blick bemerkt, raunzt er mich an: „Was glotzen Sie so? Stört Sie der Wagen nicht?" „Doch", erwidere ich, „ich rege mich aber nicht darüber auf."
„Ich kann mich den ganzen Tag ärgern – ich bin aber nicht dazu verpflichtet."
Dieser Spruch kommt mir beim Weitergehen in den Sinn.
Und ich kann beim Einkaufen noch mehrere Situationen beobachten, in denen bei ein und derselben Sachlage die Leute ganz unterschiedlich reagieren. Die eine erregt, der andere gelassen, die einen schimpfend, die anderen freundlich und ruhig.
Nun plädiere ich nicht dafür, dass man negative Gefühle einfach herunter- schlucken soll, aber muss ich denn gleich bei allem und jedem aus der Haut fahren? Sicherlich ist es Typsache. Doch ich kann es beim nächsten Mal ja ausprobieren, ob etwas Humor oder Gelassenheit meinem Gefühlshaushalt nicht gut täte.
Eine barmherzige Sicht auf die Menschen erleichtert das Zusammenleben ungemein. Genauso wie ich nicht immer gute Laune habe, haben auch meine Mitmenschen mal Zeitdruck, mal Ärger im Beruf oder in der Familie, mal Sorgen um Gesundheit, unbezahlte Rechnungen oder die Zukunft. Gar nicht so selten kommt mehreres davon zusammen. Ein bisschen Verständnis, Mitgefühl, Offenheit und schon sieht die Welt ganz anders aus.
„Mit jeder Minute, die ich mit Ärger verbringe, verpasse ich 60 Sekunden, in denen ich glücklich sein könnte."
Noch so eine Postkartenweisheit. Nun, ich bringe es sicherlich nicht so ohne weiteres fertig, dass ich einer unleidigen Situation etwas Erfreuliches abgewinne. So wie es Paulus und Silas taten, die im Gefängnis anfingen zu singen und Gott zu loben, ungeachtet der Striemen und inneren Wunden, die sie durch Schläge bekamen. Aber ich kann es ja versuchen, positive Einstellungen in mich hinein zu lassen und es negativen Gedanken und Bildern erst gar nicht erlauben, sich in mir auszubreiten und Macht über mich zu haben.
„Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." Dies ist sicherlich die höchste Stufe, die wir erreichen können. Der so in seiner Todesstunde für seine Feinde betete, kann auch uns zu einer neuen Sichtweise verhelfen. Oder ich versuche es einfach im Kleinen und schiebe auch beim nächsten Mal den herumstehenden Einkaufswagen schmunzelnd zur Seite.

Andrea Marquardt
evangelische Religionspädagogin in Aschaffenburg